10 Fragen an Kathrin von Hebammenkonsum

„Hebamme-Sein ist ein Stückchen mehr Berufung wie Beruf “ – das liegt für mich auf der Hand. Eine Geburt ist etwas zutiefst Intimes und Einzigartiges – egal wie man es macht. Unsere zwei Buben könnten nicht unterschiedlicher auf die Welt gekommen sein. Die Geburt des Großen war für mich ein unbeschreibliches Gefühl des „Stolz-Sein“. Stolz-Sein auf die Kraft, von der man nie wusste, dass man sie hat, aufzubringen um ein kleines Wesen auf die Welt zu bringen. Bei unserem Benni lief alles sehr anders ab – ein Notkaiserschnitt verbunden mit vielen Sorgen. Dennoch, in seiner Art ein Erlebnis, dass mich und meine Familie sehr prägte. Bei beiden Geburten war ich so froh, meine Hebamme dabei zu haben. Eine Vertraute, die mir Sicherheit gab. Jemand, der mir klar machte, dass ich es schaffe. Nicht nur körperlich, sondern auch emotional.

Hebammen-Arbeit beginnt schon sehr früh in der Schwangerschaft im Rahmen von Beratung und Schwangerenvorsorge. In der Geburtsvorbereitung geht es der Hebamme darum, die Frau in ihrem vertrauensvollen Verhältnis zum Ereignis Geburt zu stärken. Hebammen unterstützen die Frau (sowie auch die werdenden Eltern gemeinsam) dabei, ihren eigenen Zugang zur Geburt und zum Eltern-Werden bzw. Eltern-Sein zu finden. Ziel ist es, der Frau ein aktives, selbstbestimmtes Geburtserlebnis zu ermöglichen und ihr Vertrauen in ihre eigenen Ressourcen zu festigen.

Wir von Benni’s Nest freuen uns sehr, wenn wir mit Hebammen zusammenarbeiten dürfen. Unser neuester Partner in der Benni’s Nest Family ist Kathrin von Hebammenkonsum. Eine Hebamme mit Herz und Blut. Eine richtige Powerfrau. Wir durften mit ihr etwas plaudern und haben dabei viel gelernt!

 

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 Bitte erzähle doch von Hebammenkonsum (wie seid ihr auf die Idee gekommen, was hat euch dazu motiviert etc.).

Vor einigen Jahren habe ich durch eine Patientin ein Produkt aus Amerika kennengelernt, dass man hier nicht bekommt. Das Produkt vertreiben wir nicht mehr, aber so ist die Grundidee entstanden:  Die Suche nach etwas Besonderen, das man nicht überall bekommt. Gerade als Hebamme komme ich mit vielen Produkten in Kontakt. Ich suche mir die Produkte aus, teste sie und empfehle sie so weiter. Der Name „Hebammenkonsum“ bezieht sich nicht auf konsumieren und kaufen, sondern soll der „Tante Emma Laden“ um die Ecke sein. Ich komme aus dem Osten – da heißt es „geh mal zum Konsum“ und hol eine Milch. Wir wollten eine Plattform gründen, wo man die wichtigen Sachen zum Leben auf einem Platz findet.

Warum bist du Hebamme geworden? Wie bist du zu deinem Beruf gekommen?

Ich bin seit 35 Jahren Hebamme. Dass ich etwas mit Kindern irgendwann mache war mir immer klar. In der damaligen DDR musste man sich sehr zeitig für einen Beruf entscheiden – mit 16. Eines Tages saßen wir vor dem Fernseher und eine Hebamme wurde interviewed (zufällig war es die Hebamme, die mich auf die Welt brachte). Ich interessierte mich auf anhieb dafür. Seitdem war ich immer berufstätig. Ich habe das Glück, eine unterstützende Familie zu haben. Mein Mann hat den Part der Kindererziehung übernommen und ich habe gemeinsam mit ihm die Praxis aufgebaut. Mittlerweile sind unsere Kinder erwachsen (20 und 22 Jahre) und wir können uns anderen Projekte wie Hebammenkonsum widmen.

Kannst du dich noch an deine „erste“ Geburt erinnern?

Ich kann mich gut an meine erste Geburt erinnern – da war ich noch Schülerin. Eigentlich durfte man zu der Zeit in der Ausbildung nur zuschauen. Meine Lehrerin – eine alte, ganz liebe und knudelige Hebamme mit viel Erfahrung sagte „komm, machen wir das gemeinsam“. Es war eine gute Geburt, alles verlief positiv. Es war ein schönes Erlebnis. Mittlerweile durfte ich schon einige Geburt begleiten. Anfang nächsten Jahres werden es 3000 Geburten!

Was ist das aller schönste an deiner Arbeit?
Das aller schönste ist es, Frauen bestärken, alleine zu gebären. Ich als Hebamme kann ich Mütter unterstützen ganz alleine aus eigener Kraft ein Kind zu gebären und die nötige Hilfe hierfür zu geben. Eine Geburt ist ein sehr intimer Moment und das schönste an meiner Arbeit ist es, starke Frauen zu begegnen, die das (eine Geburt) alleine hinbekommen. Das ist für mich ein Privileg.

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Das Wunder Geburt ist oft nicht planbar – wie gehst du damit um? Wie gehen Paare/Mütter damit um?

Es gibt sicherlich Momente, die nicht nach Plan laufen. Viele Schicksale – oft gibt es keine Begründungen und man kann es sich nicht erklären. Man versucht diese Ereignisse Revue passieren zu lassen. Manchmal bespreche ich es nach – als Hebamme liege ich natürlich unter Schweigepflicht. Aber es ist wichtig, mit seiner Familie zu reden – gerade wenn es ein harter Tag war. Das aller wichtigste in dem Moment ist für die Eltern: da sein, Gedanken auffangen und reden. Das Gefühl geben, man ist nicht alleine mit den Gedanken. Ich, persönlich, muss mich distanzieren und mit meiner Familie (insbesondere meinem Mann) die Seele „los reden“. Das ist mein Job und er geht mir manchmal sehr nahe. Es gibt Schicksale, Erlebnisse – aber wichtig ist es Distanz aufzubauen. Nach den Jahren ist es natürlich einfacher geworden und ich habe gelernt damit umzugehen. Man fühlt mit den Eltern – manchmal geht das mehr an die Seele, manchmal schaffe ich es, eine kleine Mauer aufzubauen.

Gibt es etwas, das du jungen Müttern mitgeben möchtest? (gibt es etwas, das du ihnen gerne sagen würdest, aber nie tust?)

Geduld haben! Man kann nichts planen – wenn du schwanger bist, eine Geburt hast und ein Kind bekommst. Du kannst nichts planen. Manchmal ist es schwieriger, manchmal ist es auch leichter als man es sich vorstellt. Einfach jeden Tag so nehmen wie er kommt.

Was ratest du Eltern nach der Geburt?
Ganz viel Liebe und Kuscheln. Kinder sind „Traglinge“ und sollen getragen werden (oder in ein Benni’s Nest gelegt werden :-)). Nicht verunsichern lassen. Das sollen Eltern ganz viel machen. Auch wenn es anstrengend ist. Oft sagt man „das Kind ist aber anstrengend“…das stimmt aber meiner Meinung nicht – das sind die Eltern, die sich zu viel Gedanken machen. Baby’s sagen uns schon, was sie brauchen und es ist sehr einfach, es ihnen zu geben. Dann geht auch alles viel besser.
Ihr betreibt unter anderem auch einen Onlineshop. Wie sucht ihr die Produkte aus? Was ist euch am Wichtigsten?

Das Wichtigste: alle Produkte sind Naturprodukte und ich muss davon überzeugt sein. Ich muss sie kennenlernen. Nur weil es ein Verkaufsschlager ist, nehmen wir kein Produkt. Die Margen sind nicht hoch, aber viel wichtiger ist Produkte zu vertreiben, die mich überzeugen (kleine Hersteller, kleine Firmen, nachhaltige Produktion). Sehr wichtig: man darf sich nicht verlieren. Das ist nicht der Sinn und Zweck bei Hebammenkonsum. Oft „stolpern“ wir über Produkte, wie Benni’s Nest. Wie bei Benni’s Nest – die Geschichte und der Herstellungsprozeß hat mich einfach überzeugt. Meinen Mann habe ich auch überzeugen können. Langsam durch Instagram und Sozialen Netzwerken fängt es an gut zu gehen.

Mal eine private Frage: wenn du mal Freizeit hast, was machst du am liebsten?

Malen und Gestalten. Collagen machen. Ab unnd zu ein Malkurs, wenn ich Zeit habe. Wenn ich keine Hebamme wäre, hätte ich evtl. Innendesign studiert. Ich habe mit sehr viel Liebe unsere Praxis eingerichtet. Und: Mit meinem Mann wegfahren und Reisen. Die Kinder sind schon groß und wir nehmen uns diese Freiheiten. Nächsten Monat fahre ich mit meiner Tochter ein Wochenende nach Italien.

Was sind deine Ziele für das kommende Jahr – beruflich sowie privat?

Ganz ganz viel für uns tun. Nach dem Motto „man weiß nie was morgen ist“, die Zeit als Familie nutzen. An sich zu denken. Das ist wichtig.

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Foto: ©Sören Lindhoff

Benni’s Nest Produkte hier im Onlineshop erhältlich

Hebammenkonsum
Im Zuckerort 38
59227 Ahlen
Tel: +492382803100
Fax:+492382940415
mail:[email protected]

Fotos: Hebammenkonsum und ©William Stitt, ©Laura Lee Moreau, ©Sören Lindhoff

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